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Bruderhahn


Zertifikat ökokiste 2020Foto: Bruderhähne, Elbers Hof

Hahn, Huhn, Ei - die drei gehören zusammen.

Hennen werden heute von den meisten Hühnerzüchtern so gezüchtet, dass sie viele Eier legen. Fleisch setzen sie dagegen weniger an. Auch die Hähne dieser Rassen setzen weniger und sehr viel langsamer Fleisch an. Dafür ist es fettärmer und schmackhafter. Daher eignen sie sich nicht für eine wirtschaftliche Brathähnchenmast. Lange Zeit hat man sie deswegen nach dem Schlupf aussortiert, getötet und an andere Tiere verfüttert. Viele Kunden*innen haben das entweder nicht gewusst oder einfach hingenommen. Wir haben das so nicht hinnehmen wollen und schon früh mit der Aufzucht von Bruderhähnen begonnen. Nach und nach hat auch in der Gesellschaft ein Umdenken stattgefunden. Immer mehr Menschen wollten diese Praxis nicht länger tolerieren und forderten Alternativen. 

Das heißt, wir mästeten die männlichen Tiere der Legehennen-Zuchtlinien. Da ein Hahn einer Legerasse während der viermal so langen Aufzucht aber viel mehr Futter braucht als ein Masthähnchen, muss er im Laden später auch deutlich teurer verkauft werden. Weil aber nur die wenigsten Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, den hohen Preiszuschlag zu bezahlen, haben sich einige Direktvermarkter und später auch Handelsketten für das System der Querfinanzierung entschieden. Das funktioniert so: Die Eier der Legehennen werden einige Cent teurer verkauft. Mit dem Mehrerlös können die männlichen Küken gemästet werden.

Wer hierzu seine Kinder mit Details aufklären möchte, kann das Angebot der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung nutzen:
Unterrichtsmaterial 9.+10. Klasse - Ethik in der Geflügelhaltung

Bioland und Demeter erteilen Geschlechtsbestimmung im Ei eine Absage

Die bisher verfolgte Geschlechtsbestimmung im Ei und anschließende Tötung der Embryonen halten Bioland und Demeter für keine Option. Sie wollen das Zweinutzungshuhn und die Bruderhahnmast. Die beiden Ökoverbände Bioland und Demeter nehmen Ostern zum Anlass, die Früherkennung im Ei erneut abzulehnen. Das aktuelle Ziel der Bundesregierung, ab 2022 keine geschlüpften Küken mehr töten zu dürfen, unterstützen die Verbände.

Aktuell beworbene Ansätze, bei denen nach einer Geschlechtsbestimmung im Ei ausgebildete Embryonen vor dem Schlupf getötet werden, stellen für Bioland und Demeter jedoch keine Option dar. „Anstatt Millionen von Euro in die Geschlechtsbestimmung im Ei zu stecken, müssen vielmehr Millionen von Küken aufgezogen werden“, sagt Stephanie Strotdrees, Vizepräsidentin Bioland e.V. „All die Verfahren verlagern das Problem nur, anstatt es zu lösen. Es gibt Alternativen zum Kükentöten. Sie lauten Zweinutzungshuhn und Bruderhahn-Aufzucht. Denn die Tiere haben einen Wert und ihren Platz bei uns auf den Höfen.


Gefahr der Verbrauchertäuschung eindämmen

Ihr als Verbraucher dürft Euch nicht von großen Handelsketten täuschen lassen. Was auf den ersten Blick nach Tierwohl klingt, ist in Wahrheit ein Kükentöten in anderem Gewand. Alle aktuell verfügbaren Selektionsverfahren im Ei greifen zu einem Zeitpunkt ein, zu dem das Schmerzempfinden der Küken bereits ausgebildet ist. Die Vermarktung mit der Beschreibung ‚ohne Kükentöten‘ ist daher hochgradig irreführend. Einen Eierkonsum ohne Kükentöten gibt es nur mit Hahnenaufzucht.


Ökologische Tierzucht - ohne Kükentöten

Für ihr gemeinsames Ziel haben Bioland und Demeter 2015 die gemeinnützige Ökologische Tierzucht GmbH (ÖTZ) gegründet. „Mit der ÖTZ haben wir die Züchtung des Ökohuhns der Zukunft auf den Weg gebracht. Hier werden beide Tiere aufgezogen: Hahn und Henne!“, so Gerber. „Während die Geschlechtsbestimmung im Ei die Symptome einer Marktentwicklung ausmerzen möchte, die von der Gesellschaft nicht mehr toleriert werden, wie nun das Kükentöten, stellt die Ökotierzucht die Systemfrage. Wir wollen eine in sich stimmige Geflügelhaltung. Artgerecht, natürlich Bio und mit einer Zucht in Bauernhand.“

Die Verbände appellieren an die Verbraucher weiterhin auf die Herkunft ihrer Eier zu achten. Neben der Frage nach der Hahnenaufzucht dürfe auch artgerechte Tierhaltung generell nicht aus dem Bewusstsein der Verbraucher geraten.


Alternativen zum Kükentöten 

Mast der Bruderhähne: Seit rund zehn Jahren treten einige Initiativen dafür ein, die Brüder der Legehennen als sogenannte Bruderhähne aufzuziehen und zu mästen. Die bekanntesten Initiativen in Deutschland ist die Bruderhahninitiative Deutschland (BID) im Norden. Die Hähne 18 bis 20 Wochen gemästet. Neben den Bruderhahn-Produkten im breiten Handel bieten immer mehr direktvermarktende Legehennen-Halter ganze Hähnchen und Teilstücke in ihren Hofläden und im Naturkosthandel an.

Zweinutzungshuhn: Einen Schritt weiter geht die Züchtung von Zweinutzungshühnern. Das sind Tiere, bei denen sowohl Hahn als auch Henne ohne Querfinanzierung durch die „andere Seite“ auskommen. Das heißt, der Hahn setzt genügend Fleisch an, und die Henne legt genügend Eier, um für einen Öko-Betrieb bei fairen Preisen wirtschaftlich zu sein.

Mehr Infos dazu unter www.das-oekohuhn.de


Wir freuen uns, unseren Kundinnen und Kunden im eigenen Hofladen neben den Eiern unserer Legehennen, auch leckere Hähnchen anbieten zu können!


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Theresa Gerike

28.10.2022


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